Die japanische Kirschblüte – Bedeutung, Symbolik & Hanami in Japan

Zunächst ein paar Worte zu den japanischen Begriffen in diesem Zusammenhang. Du hast ihn sicherlich schon das ein oder andere Mal gehört, zumindest als echter Anime und/oder Manga-Fan kommt man eigentlich nicht drumherum. Gemeint ist der Begriff „Sakura“, der in eben beiden Szenen gern als Vorname für Mädchen und Frauen verwendet wird. Sakura steht dabei für die wunderschönen Blüten der japanischen Zierkirsche. Dabei wird die Blüte, von kräftigem pink bis hin zu einem zarten rosa, fast weiß, auch gern Sakura-chan genannt.
Ein weiterer wichtiger Begriff ist „Hanami“. Im Japanischen „花見“, bedeutet es übersetzt „Blüten betrachten“. Hanami, also das Betrachten der Blüten, bezieht sich vorwiegend auf die Zeit der japanischen Kirschblüte.
Und dann gibt es die Yozakura, 夜桜, dieses Wort beschreibt Sakura bei Nacht. Gegen Abend, wenn die Sonne untergeht, werden die Kirschbäume in einem wundervollen Licht angestrahlt. Die weißen und rosafarbenen Blüten bilden einen unbeschreiblich schönen Kontrast zur Schwärze der Nacht.

Die Geschichte der japanischen Kirschblüte
Die japanische Tradition des Blütenbetrachtens, des Hanami, hat sich laut Legenden bereits in der Nara Zeit (710-794) entwickelt. Allerdings gibt es schriftliche Überlieferungen dazu erst aus der Heian Zeit (794-1185). Diese belegen, dass der Brauch, die Betrachtung der japanischen Kirschblüten, mit einem Frühlingsritual in Verbindung stand. Die Japaner glaubten auf Grund ihrer shintoistischen Religion an die Existenz von Göttern, welche in den Bäumen der japanischen Zierkirsche leben sollten. So bat man die Götter des Shintoismus zu Beginn der Pflanz-Saison um eine gute Reisernte. Und so kam es, dass die Kirschblütenzeit als Bote der jährlichen Ernte und des Beginns der Saison des Reispflanzens angesehen wurde. Die Menschen legten zum Hanami Opfergaben zu den Wurzeln der Kirschbäume nieder und tranken im Anschluss gemeinsam Sake (japanischer Reiswein).

Wer feiert Hanami?
Der Brauch, Hanami zu feiern, wurde ursprünglich nur vom kaiserlichen Hof begangen. Doch auch die Samurai fingen an, die Kirschblüten zu zelebrieren. Das kurze Leben der Kirschblüte gibt den Samurai nämlich ein perfektes Beispiel für einen würdigen und jungen Tod. Denn die wunderschönen Blüten fallen nach längerem Reifen, einer kurzen Zeit des Erblühens und im Moment der vollendeten Schönheit zu Boden. Auch Schriftsteller und Poeten verfielen dem Fest der vergänglichen Kirschblüte und so fiel der Begriff des Hanami, als Betrachten der Kirschblüten, erstmalig in dem Roman Genji Monogatari. Erst im Laufe der Edo-Zeit (1600-1687) fing das normale japanische Volk an, das Kirschblütenfest zu feiern. Heute feiern Japanliebhaber aus der ganzen Welt das Erblühen der Kirschblüten und reisen dazu jedes Jahr in das Land der aufgehenden Sonne (insofern das Einreisen möglich ist).
Welche Bedeutung hat Hanami heute?
Die Wertschätzung der Vergänglichkeit der Schönheit der Natur, im japanischen „mono no aware“ (物の哀れ), beschreibt heute am besten, was die Japaner an der Kirschblüte schätzen, verehren und feiern. Damit ist die Sakura zu einem der wichtigsten Symbole in der japanischen Kultur geworden. Die Sakura ist der Inbegriff einer vollkommenen Schönheit und steht als Frühlingsbote für den Beginn der warmen Jahreszeit. Sie ist aber genauso ein Symbol für die Vergänglichkeit, da sie gerade einmal 10 Tage blüht, ohne im Anschluss jemals Früchte zu tragen. Hanami bzw. Sakura an sich haben aber noch eine ganz andere große Bedeutung, und zwar für die japanische Wirtschaft. Zur Kirschblütenzeit gibt es in ganz Japan so gut wie nichts, das nicht mit niedlichen, rosafarbenen Kirschblüten versehen ist. Die Produktpalette reicht von diversen Speisen (egal ob süß oder salzig) und Getränken bis hin zu Kosmetikartikeln und Kleidung. Auch große Ketten wie adidas und Starbucks lassen sich diese fünfte Jahreszeit in Japan nicht entgehen!
Wie wird Hanami denn nun eigentlich gefeiert und was sollte man beachten?
Hanami wird vorrangig zum sogenannten mankai 満開, damit ist der Zeitraum der vollen Öffnung der Sakura gemeint, gefeiert. Das Blütenbetrachten findet im Rahmen eines Picknicks meist auf blauen Plastikplanen unter den prächtigen rosafarbenen Kirschblüten statt. Dazu gehört reichlich Essen und ausreichend zu trinken.
Mit wem wird das Hanami gefeiert?
Eigentlich mit jedem! Die Japaner gehen in dieser besonderen Zeit mehrmals zum Hanami, mit der Familie, Freunden, dem oder der Liebsten und auch Arbeitskollegen. Letzteres ist in manchen Firmen sogar Pflichtprogramm, denn es soll den Zusammenhalt im Team stärken. Oft werden dabei mit Kollegen beleuchtete Sakura (Yozakura) nach dem Feierabend aufgesucht.
Wie bereitet man sich auf Hanami vor?
Das wichtigste zuerst: am richtigen Ort zur richtigen Zeit! Das bedeutet, sobald der Ort und die Zeit feststehen (dafür gibt es eine sogenannte Kirschblütenvorhersage oder auch ein Kirschblütenbarometer), gilt es einen Teilnehmer mit der Platzreservierung zu beauftragen. An Wochenenden sitzen die Platzhalter meist schon Stunden oder teilweise eine Nachte vorher mit einer riesigen blauen Plane im Park. In japanischen Firmen werden dazu oft die Neulinge beauftragt, denn passend zur Saison werden zu Beginn des Monats April Studienabgänger eingestellt. Ihre erste Aufgabe im Unternehmen ist somit das Reservieren eines guten Platzes.

Was isst man beim Hanami?
Ein weiterer bedeutender Bestandteil des Hanami sind die Speisen und Getränke. Zu einem Hanami bringt jeder etwas zu essen, dabei zählt vor allem, dass man es gut teilen kann. Hier bietet sich eine japanische Bento an – also eine klassische Lunchbox, wie sie auch beim Hanami üblich ist. Selbst gekocht oder aus dem Konbini spielt dabei keine Rolle. Beliebt sind außerdem Onigiri, Tamagoyaki (japanisches Omelett), Karaage (frittiertes Hähnchen) oder einfache Snacks wie Edamame. Zur Kirschblütenzeit gibt es zudem viele saisonale Süßigkeiten, etwa Sakura-Mochi oder Dango. Auch für ausreichend Getränke muss gesorgt werden, hier stehen japanischer Sake und auch Bier ganz oben auf der Liste. So kann aus einem Hanami schon gern mal ein feuchtfröhlicher Abend werden.
Wichtig: Ein Hanami dauert bei schönem Wetter gern mehrere Stunden, daher sollte vor allem ausreichend Verpflegung besorgt werden.
In einigen Vierteln finden jedoch auch richtige Sakura-Feste statt. Dort stehen dann meist einige Stände mit japanischen Köstlichkeiten bereit.
Was zieht man bei einem Hanami an?
Beim Hanami trägt man in Japan meist bequeme, alltagstaugliche Kleidung, da man viel sitzt, geht und oft lange draußen bleibt. Beliebt sind legere Outfits, die auch kühleren Temperaturen standhalten, denn der Frühling kann noch wechselhaft sein. Viele Menschen kombinieren leichte Jacken, Schals oder Cardigans, die man je nach Wetter an- oder ausziehen kann. Zu besonderen Anlässen sieht man auch traditionelle Kleidung wie Kimono oder Yukata, vor allem bei organisierten Hanami-Treffen oder Yozakura am Abend. Wichtig sind außerdem bequeme Schuhe, da Hanami-Spots oft weitläufige Parks sind. Entscheidend ist nicht Eleganz, sondern Komfort – Hanami ist entspannt, nicht geschniegelt.
Was macht ein Hanami wirklich aus?
Neben den bezaubernden Kirschblüten ist es vor allem die ausgelassene Stimmung. Beim Hanami lassen sich die sonst so schüchternen Japaner gehen. Es wird viel getrunken, gegessen, gesungen und gelacht. Manchmal geht es auch so ausgelassen zu, dass sich der eine oder andere Kirschblütenbetrachter zwischendurch auf seiner blauen Plastikplane zusammenrollt und ein Nickerchen hält.
Wir haben Hanami selbst mehrfach in Japan erlebt. Tagsüber im Park genauso wie beim Yozakura am Abend. Genau diese Mischung aus Tradition, Alltag und Atmosphäre macht das Fest für uns so besonders.
Wir wünschen Dir viel Spaß beim Feiern eines Hanami, sei es in Japan oder in Deiner Heimat. Willst Du Hanami mal in Deutschland erleben? Dann schau Dir unbedingt unsere 30 schönsten Kirschblütenspots aus Deutschland an.
Hanami vs. westliche Frühlingsfeste
Hanami unterscheidet sich deutlich von vielen westlichen Frühlingsfesten. Während bei uns oft der Beginn des Frühlings mit Veranstaltungen, Märkten oder festen Programmen gefeiert wird, steht beim Hanami das bewusste Innehalten im Mittelpunkt. Es geht nicht um Unterhaltung oder Attraktionen, sondern um das gemeinsame Erleben eines flüchtigen Moments. Die Kirschblüte ist nur wenige Tage sichtbar – genau diese Vergänglichkeit verleiht dem Fest seine Bedeutung. Im Westen wird der Frühling häufig als Neustart gefeiert, in Japan dagegen auch als Erinnerung daran, dass Schönheit nicht dauerhaft ist. Hanami ist dadurch weniger Event und mehr Haltung.
